Alltag - wie geht das?!

Alltag (c) pixabay
Alltag
Fr 29. Mai 2020
Hiltrud Heitzer

 

Von ‚Alltag‘ kann derzeit wohl kaum die Rede sein; davon sind wir ziemlich weit entfernt.

 

Denn – dieses Virus stellt alles auf den Kopf und nichts ist mehr wie es war! Unser Leben ist buchstäblich auf den Kopf gestellt worden – und niemand ist davon ausgenommen – weltweit!

Das ist nicht nur eine große Herausforderung. Das verunsichert, macht Angst und bringt manchen an die Grenze seiner eigenen Kraft, seiner Nerven, seiner Existenz – weltweit!

Und nun soll langsam der Alltag wieder eintreten, nach dem wir uns so sehr sehnen – doch wie geht das?!  Vieles ändert sich schnell – immer wieder -, dass ich kaum hinterherkomme.

Ich spüre, dass die vielen und schnellen Veränderungen mich verunsichern. Wie muss ich mich verhalten? Einerseits Lockerungen – andererseits die Warnung vor der – nach wie vor – gesundheitsgefährdenden Erkrankung! Wie kann und soll unter den Bedingungen dann ein Wiedereinstieg ins Alltägliche gelingen?!

Ich spüre, wieviel innere Kraft mich diese Überlegungen, dieser Balanceakt zwischen ‚Distanz und Vertrauen‘ kostet. Wie weit kann und möchte ich ‚hinausgehen‘? Was traue ich mir und anderen zu?

Und so kann ich all jene gut verstehen, die besorgt und ängstlich in einen Alltag gehen, der eben noch nicht so klar und gesichert ist. Jeder muss da seinen je eigenen Standpunkt entwickeln und sich peu à peu, Schritt für Schritt, in seinem Tempo sich dem neuen Alten annähern.

Und dann ist da noch die Überlegung: was ist mir in den vergangenen Wochen der ‚Quasi-Quarantäne‘ so wertvoll und bedeutsam geworden? Mache ich so weiter wie ‚vor Corona‘? Oder ändert sich etwas in meinem Verhalten?

Wie auch immer unser Alltag jetzt aussieht oder in Zukunft aussehen wird – eins ist mir ganz sicher:

Gott ist dabei!

Als Christen glauben wir an einen Gott, dessen Markenzeichen das DA-SEIN ist. Jahwe wird er genannt. Das heißt übersetzt: Ich bin der ICH-BIN-DA!

Egal, ob die Welt gerade Kopf steht, ob unser Leben sich neu finden muss oder ob gerade Zeit zum Luftholen ist: Gott ist dabei! Wir sind nicht allein! SEINE Zusage ist uns sicher. ER ist bei uns. ER ist unser ‚Alltags-Gott‘!  - Das gibt mir Ruhe, Kraft und Zuversicht in dieser Zeit.

 

Bleiben Sie behütet!

 

Hiltrud Heitzer, Gemeindereferentin

 

 

P.S. Das folgende Gebet von A. de Saint-Exupéry eignet sich gut für jeden Tag.

 

 

 

Kleine Schritte von Antoine de Saint Exupéry

Herr, ich bitte nicht um Wunder und Visionen,

sondern um Kraft für den Alltag.

Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.

 

Mache mich wach und aufmerksam,

damit ich im täglichen Vielerlei meine Zeit richtig einteile

und herausfinde, was erstrangig und was zweitrangig ist.

 

Ich bitte um Kraft für Zucht und Maß,

dass ich Arbeit und Erholung vernünftig einteile,

und ab und zu Zeit habe für Muße und Stille.

 

Lass mich erkennen, Herr, dass Träume nicht weiterhelfen.

Hilf mir, das Nächste so gut wie möglich zu tun,

und die jetzige Stunde als die wichtigste zu erkennen.

 

Lass mich nicht meinen, es müsste im Leben alles glatt gehen.

Schenke mir nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten,

Misserfolge und Rückschläge zum Leben gehören,

und dass ich auch durch sie wachse und reife.

 

Erinnere mich daran, dass mein Herz oft gegen den Verstand streikt.

Schick mir im rechten Augenblick jemand,

der den Mut hat mir die Wahrheit in Liebe zu sagen.

 

Hilf mir, Dich und die anderen immer aussprechen zu lassen.

Die Wahrheit sagt man nicht sich selbst, sie wird einem gesagt.

 

Ich weiß, dass sich manche Probleme nur dadurch lösen,

dass man nichts tut. Gib, dass ich warten kann.

 

Verleihe mir die nötige Phantasie, im rechten Augenblick ein Päckchen Güte,

mit oder ohne Worte, an der richtigen Stelle abzugeben.

 

Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen.

Gib mir nicht, was ich mir wünsche, sondern was ich brauche.

 

Herr, lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.