Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht......

Kerze (c) anhannh_pixabay_pfarrbriefservice
Kerze
Datum:
Fr 13. Nov 2020
Von:
Alexander Schweikert, Pfarrer

„Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht" - so singen Kinder gerne in den Schulgottesdiensten oder den Kinder- und Familienmessen. Ja, ein wesentliches, wenn nicht das Symbol, das wir mit dem Advent, der dunklen Jahreszeit, verbinden, ist das Licht. Das Licht der Kerzen auf dem Adventskranz: ein lebendiges Licht, lang- sam zunehmend von der ersten bis zur vierten Woche scheint der Adventskranz immer heller, bis sein Licht schließlich einmündet in das Lichtermeer des Christbaumes. 

Das lässt kaum jemanden unberührt. Da versteht jeder, um was es geht: In einer Welt der Dunkelheit und Kälte, der Ängste und Gefühlslosigkeiten wird uns ein Licht geschenkt, das Licht, Hoffnung und Wärme bringt. „Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt“, so werden wir es im Evangelium an Weihnachten hören – es steht am Anfang des Johannesevangeliums. „Das wahre Licht“, heißt es. Nicht trügerisches Licht, welches uns verwirrt, kein Irrlicht und kein Blendwerk. 

Das „wahre Licht“ ist der, der von sich sagt: „Ich bin das Licht der Welt, wer zu mir kommt, wird nicht im Finstern umhergehen, sondern das Licht des Lebens haben“. Wir alle brauchen das Licht des Lebens. Wir brauchen den, der unsere Finsternis erleuchtet. Besonders jetzt spüren wir: diese Welt ist oft finster und ungewiss. Voller Gewalt und Unruhe, voller Unsicherheiten, ob wir die Pandemie bewältigen werden, der Sorge um Arbeitsplätze, um innere Sicherheit, um die Klimaentwicklung. 

Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht. Jeden Sonntag, ja in jeder Eucharistiefeier hören wir Gottes Wort, die Botschaft der Liebe Gottes zu den Menschen. An jedem Sonn- und Feiertag brennt in unseren Kirchen die Osterkerze. Sie brennt auch in jeder Tauffeier. Sie bringt neues Licht in unser Leben. Ein Licht, das die Welt nicht zu entzünden vermag. 

Im Laufe unseres Lebens hat jeder von uns Stunden, in denen es dunkel für ihn wird. Sicher hat zumindest jeder von uns Erwachsenen schon Stunden erlebt, wo er glaubte, die Dunkelheit hat ihn besiegt, es gibt für ihn kein Licht mehr, keine Hoffnung. Und immer wieder begegnen mir Menschen, denen es so geht. Im Rückblick auf das vergangene Kirchenjahr erinnere ich mich an Menschen, die durch Krankheit oder im Angesicht des Todes von Dunkelheit umfangen waren. Und oft war es dann gut, dafür ein Licht anzuzünden, eine Kerze in der Kirche brennen zu lassen, still, ohne viele Worte. Sie kann uns in Erinnerung rufen: Auch in der Dunkelheit nähern wir uns dem Licht. Was auf den ersten Blick ein Widerspruch zu sein scheint, ist in Wirklichkeit das Zeichen christlicher Hoffnung. Je dunkler es um und in uns Menschen wird, umso stärker strahlt für uns das göttliche Licht. Christlicher Glaube lebt von der Hoffnung, dass Christus, die Mensch gewordene Liebe Gottes, nicht nur das damals gekommene, sondern auch das bleibende und das kommende Licht ist. Ihm, unserem Licht, dürfen wir uns auch mit unseren Dunkelheiten anvertrauen.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen allen eine gesegnete und von Gottes Licht erfüllte Zeit des Advents.

Ihr Alexander Schweikert, Pfr.