Adieu – ein letzter Gruß.
Adieu – zu Gott. Am Himmelfahrtstag freuen wir uns, dass Jesus zu seinem Vater heimkehren kann, nach Hause kommt.
Freuen wir uns wirklich? Der Engel auf dem Bild schaut dem Aufgefahrenen sehnsuchtsvoll, ein wenig melancholisch hinterher. Abschied zu nehmen, fällt vielen Menschen schwer. Doch wo ich Abschiedsschmerz erwarte, höre ich von der Freude und dem Lobpreis der Jünger. Das ist für mich nicht nur unerwartet in ihrer Situation, sondern steht auch im Gegensatz zu meinen Gefühlen, wenn ich selbst Abschied nehmen muss.
Meistens sind das ja nur Abschiede auf Zeit, und doch schwingt bei mir da immer ein mulmiges Gefühl mit. Ich sage ganz offen: Ich mag keine Abschiede. Vielleicht geht es Ihnen ja ähnlich.
Vor diesem Hintergrund stellt sich mir dann doch die Frage: Was ist an dem Abschied Jesu anders, dass die Jünger nicht mit Trauer, sondern mit Freude reagieren? Jesus ist in den Himmel aufgefahren. Doch die Jünger verhalten sich so, als wäre er immer noch da. Sie beten ihn an, sie preisen ihn im Tempel. Wie kann das sein, dass er vor ihren Augen entschwindet und dennoch da ist? Ist er jetzt im Himmel – oder nicht?
Ich mag keine Abschiede. Erträglich werden sie durch die Vorfreude auf das Wiedersehen. Vorfreude im Glauben heißt für mich: Hoffnung.
Hoffnung, die ein wenig vom Himmel auf die Erde holt. Hoffnung, die ich mir nicht selbst machen kann, um die ich Gott aber bitten kann und die für mich auch gute Gründe hat. Weil Jesus für diese Hoffnung sein Leben aufs Spiel gesetzt – und gewonnen hat.
Vielleicht ist diese Hoffnung die Ursache für die Freude der Jünger. Adieu – zu Gott; und doch bei den Menschen.
Text und Foto: Michael Tillmann
In: Image Online