Ganz Ohr.... der Heilige Josef

Josef (c) Friedbert Simon in Pfarrbriefservice
Josef
Datum:
Fr. 14. März 2025
Von:
Alexander Schweikert, Pfarrer i. R.
 
 
Mitten hinein in die Fastenzeit feiert am 19. März die Kirche das Hochfest des Heiligen Josef. Josef, der Vater Jesu auf Erden oder auch sein Ziehvater genannt, tritt in der Bibel eigentlich nur in der Geburts- und Kindheitsgeschichte Jesu auf. Auch ist darin kein Wort überliefert, das er in dieser Zeit gesprochen hätte, sodass es Erwähnung in den Evangelien gefunden hätte.
Dennoch aber ist sein Tun, seine Sorge - wie es uns die Evangelien berichten - für die Mutter und das Kind ‚unüberhörbar‘. Warum? Weil er selbst ein Hörender war. Der Künstler unseres Bildes hat es wohl auch so verstanden, wenn er Josef mit dem übergroßen Ohr darstellt.
Ja, Josef ist ganz Ohr. Die Arme aneinandergelegt, eine Hand ganz nah zum Ohr, auch die Augen und den Mund geöffnet, als könne er nicht glauben, was er hört und erlauscht. Ja, lauschen. Lauschen bedeutet in seinem Ursprung: ganz genau hinhören, aufmerksam horchen, aufpassen und achtgeben. Seine Darstellung hier scheint insgesamt zum Ausdruck zu bringen: Er hört aus seinem Inneren heraus, er hört mit seinem Herzen. So wie nur der gut sieht, der mit dem Herzen sieht, hört auch nur der gut, der mit dem Herzen hört. Und wer so schaut, wie er, sieht mehr, schaut weiter und tiefer. Wer so horcht, hört mehr, horcht weiter und tiefer. Dass dies so ist, sagen uns auch die Zeugnisse der Evangelien über ihn. Dass er sich trotz der unerklärlichen Schwangerschaft seiner Verlobten Maria - so die Botschaft des Engels Gottes - nicht von ihr trennen möge; dass er dem Kind den Namen Jesus geben solle; dass er, als Herodes dem Kind nach dem Leben trachtete, mit der Mutter und dem Kind fliehen möge, um das Heilige zu hüten und schließlich nach dem Tod des Herodes - erneut auf ein Wort des Engels - nach Israel mit seiner Familie zurückkehren möge. Ja, was er hört, tut er auch. Aus seinem Hören ist ein Gehorchen geworden. Gerade dies macht den Heiligen Josef vielleicht auch zum Vorbild für uns: ganz Ohr sein für Gottes Wort, für Gottes Anruf an uns. Und dann genau so entschlossen, ohne Wenn und Aber auf sein Wort hin zu antworten und es zu tun. Später wird dann Jesus selbst seine Zuhörerinnen und Zuhörer damals und auch uns heute im Blick auf seine Worte, die Gottes Worte sind und seinen Willen zum Ausdruck bringen: „Wenn einer Ohren hat, zu hören, dann höre er. ... Achtet auf das, was ihr hört“ (Mk 4,24). Und „achtet darauf, dass ihr genau hinhört“ (Lk 8.18). Ja, wer das Wort Gottes, das Jesus verkündet, hört und tut, der ist seine Schwester und sein Bruder. 
 
So seine Botschaft an uns: Im Getöse der Worte, in der Flut der Stimmen, in Lärm und Hektik weist er uns zum aufmerksamen Hören, zum Stillsein und Lauschen. Inmitten vieler Worte und Reden weist er uns zum WORT.
Und es braucht dazu den Geist der Unterscheidung. Und es braucht Stille und Schweigen.
Das kommt auch in einem Lied unseres Gotteslobes (GL 623) so gut zum Ausdruck:
 
„Worauf sollen wir hören, sag uns worauf?
So viele Geräusche, welches ist wichtig?
So viele Beweise, welcher ist richtig?
So viele Reden! Ein Wort ist wahr.
 
Wohin sollen wir gehen? Sag uns wohin?
So viele Termine, welcher ist wichtig?
So viele Parolen, welche ist richtig?
So viele Straßen! Ein Weg ist wahr.
 
Wofür sollen wir leben? Sag uns wofür?
So viele Gedanken, welcher ist wichtig?
So viele Programme, welches ist richtig?
So viele Fragen! Die Liebe zählt.“
 
Ihr
Alexander Schweikert, Pfarrer i. R.
 
 
 
Bildnachweis: Friedbert Simon
In: Pfarrbriefservice.de